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  Bär aktuell 98                                    
 

  Nr.98 - 3. April 2010             

Bär polyglott – Unterwegs mit Herrn Bär

Nun kommt es richtig knüppeldick für Guido Westerwelle.

Der Berliner Künstler Wolfgang Müller wiegelt nämlich jetzt auch noch die Schwulen-Szene gegen den reichlich glücklosen Außenminister und populistisch polarisierenden FDP-Chef auf. Als Multiple hat Künstler Müller unlängst einen Button „Gays against Guido“ auf den Markt geworfen und damit bewiesen, dass man auch eine pfiffige Geschäftsidee haben kann, wenn man nicht in der FDP ist.

Dass seine Dienstreisen wie ein Familienausflug wirken, verteidigte Westerwelle trotzig mit dem Argument, er werde sich auch in Zukunft nicht davon abhalten lassen, Kontakte für die deutsche Wirtschaft zu fördern, wobei für ihn allerdings die deutsche Wirtschaft in erster Linie aus Bruder Kai Westerwelle zu bestehen scheint.

Wohin neben anderen negativen Faktoren hemmungslose Vetternwirtschaft führen kann, lässt sich derzeit im krisengebeutelten Griechenland gut beobachten. Wirtschaftsförderung fällt allerdings eigentlich eher in das Ressort von Reiner Brüderle, aber der hat als Minister nichts zu tun, denn um die Förderung von Kai Westerwelle kümmert sich schon Bruder Guido und nicht das Brüderle. Um den Export in die Entwicklungsländer bemüht sich der Entwicklungsminister Dirk Niebel, der mithin eher die Entwicklung der deutschen Wirtschaft und weniger die der Entwicklungsländer im Auge hat, so dass sich an dieser Stelle die Frage stellt: Was exportiert eigentlich Kai Westerwelle? Für den Minister Dirk Niebel gibt es ebenfalls sonst nicht viel zu tun, denn um den Besuch brasilianischer Waisenhäuser kümmert sich auf den Dienstreisen des Außenministers schon dessen Lebenspartner Michael Mronz.

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"Herr Bär, Sie haben ein Porträt des früheren Oberbürgermeisters Fritz Schramma gemalt? Wie kam es dazu?"Bär: "Die Stadt Köln hätt dä Gerhard Richter beauftragt, ein Porträt vum Schramma för et Rathaus ze malen. Die han jesaht, dat darf ävver nix kosten, die Stadt Köln is nämlich pleite. Da hätt dä Gerhard Richter einfach ein Foto vum Schramma jemacht, weil dat schneller jeht un deswejen billiger is. Jetzt hängt im Rathaus in der Gemäldegalerie mit lauter Öl-Porträts der Oberbürgermeister seit 1945 en Foto vum Schramma. Do han se jesaht, wie süht dat dann us? Ein einziges Foto inmitten von lauter Gemälden? Enä, dat jeht nit. Sagt ens, Här Bär, künnt Ehr nit doch noch ens e klein Bildche mole, wo dä Schramma met drop es?""Ja, aber auf dem Bild sieht man nur einen See in einem Park und eine baumbestandene Allee. Wo ist denn da der Schramma?"Bär: "Dä is abjetaucht. Ins Privatleben. Der See is eine Metapher auf das Privatleben vum Schramma... jut, da kommt man nicht sofort drauf..." 
Karl-Josef Bär/Jürgen Rap "Das Wappen von Brabant", 2010

 

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Und wie man diese liberalen Brüder so kennt, hat er statt Teddybären und Dauerlutscher wahrscheinlich nur bunt bedruckte FDP-Wahlkampfbroschüren im Gepäck, mit denen die brasilianischen Waisenkinder freilich nicht allzu viel anfangen können. Was zudem Kai Westerwelle auch noch in diese Länder exportiert, möchte man dann eigentlich lieber nicht mehr so genau wissen.      

Den Titel „Kölns dümmster Betrüger“ verdiente sich derweil Sven O., der seinen Fernsehapparat ins Pfandhaus brachte und anschließend als gestohlen meldete. Sven O. hielt das wahrscheinlich für clever. Bei einer Hausdurchsuchung fand die Polizei allerdings den Pfandschein, worauf Sven O. dreist behauptete, er habe sich den Fernseher doppelt gekauft: den einen habe er ins Pfandhaus gebracht, aber der andere sei ihm gestohlen worden, und nun säße er ohne Glotze da. Auch diese Ausrede fand er selbst wahrscheinlich clever, die Polizei hingegen saudumm. Kaufquittungen hatte er natürlich nicht vorzuweisen, und nun wundert sich Sven O., wieso die Polizei ihn jetzt für einen missratenen Kleinkriminellen hält und gegen ihn wegen Betrugs ermittelt.

Wie jemand auf die Idee kommen kann, den Papst zu kritisieren, weil er bislang über die Missbrauchsfälle in Deutschland geschwiegen hat, ist für Gabriele Amorth, den obersten Exorzisten im Vatikan, leicht zu erklären: die Kritiker seien vom Teufel besessen, glaubt der Chef-Teufelsaustreiber allen Ernstes. Dasselbe glaubt wahrscheinlich auch Guido Westerwelle von seinen Kritikern, denen er auf dem jüngsten Parteitag als exorzierende Abwehr-Geste als verbales Kreuz entgegenhielt: „Ihr kauft mir den Schneid nicht ab!“

 

 Jürgen Raap wurde 1952 in Köln geboren. Er studierte an der Kölner Universität Kunstwissenschaften und Germanistik und schrieb 1976 seine Examensarbeit über Max Ernst. Anschließend studierte er Freie Kunst an den Kölner Werkschulen (FHS Kunst und Design). Er lebt und arbeitet als Maler, Performer, Autor und Journalist in Köln

 

 © Raap / Bär 2005-2010  - Herr Bär Foto: Kallnbach - Mit freundlicher Genehmigung von Jürgen Raap