| Die
Rock'n'Roll Szene in Ehrenfeld
Wo eine Rock'n'roll Nummer
gespielt wird, tanzte man den typischen Ehrenfelder Stil
In den 60er Jahren war in
Ehrenfeld die Rock'n’Roll Szene stark
ausgeprägt. In zahlreichen
Kneipen die einen Saal oder oft nur ein
Hinterzimmer hatten wurde zu den
Klängen einer Musikbox (Rock-Ola oder
Wurlitzer) Rock'n’Roll
getanzt.
Josef Michels, ein echter Ehrenfelder, berichtet über Erinnerungen seiner Jugend.
Ab und zu wurde auch mal ein langsamerer Titel
gedrückt, zum Verschnaufen oder zum Knutschen. Die Jugendlichen im
Veedel trugen die typischen
Klamotten der 50er-60er Jahre. Die Mädels bunte Röcke mit Petticoats
und weiße Blusen, die meisten hatten eine Pferdeschwanzfrisur. Die
Jungs Blue Jeans weiße Hemden (wegen dem Schwarzlicht) und einen
schwarzen Lederblouson, der meist aus Kunstleder war. Die Haare
wurden schon etwas länger getragen und mit "Brisk" wurde eine
Elvis-Tolle gequetscht

Angefangen hat alles in der
Milchbar „Beim Nettesheim“
auf der
Venloer Straße. Wenn dort vor der Türe
zahlreiche Vespa Roller standen,
die mit Chrom-Schnickschnack und
Fuchsschwänzen verziert waren,
konnte man davon ausgehen das
drinnen was los war.
Auch in anderen Kölner
Stadtteilen war die Vespa ein beliebtes Fortbewegungsmittel der Jugend.
Hier in Niehl, 1955.
Nach und nach wurden es immer
mehr Lokale, die mit Musik und
Tanz Ihren Umsatz steigern
wollten.
Die größten waren der „Club
OK“ in der Venloer Straße sowie den „Glaspalast“
in der Glasstraße. Sie vor allem an
den Wochenenden auch von Nicht-Ehrenfelder
besucht. Die so genannte
Ehrenfelder-Szene spielte sich überwiegend in den kleineren Lokalen ab.
Etwa z.B.im „Latänche“
in der Rothehausstraße, „Em Höttche“
oder bei "Erwin" in der
Hüttenstraße, beim „Vierbaum“
in der Klarastraße, oder bei "Kitty"
in der Wahlenstraße. Hier traf man sich zum Tanzen
und Trinken, das heißt ein, zwei
Getränke Cola oder Bier. Mehr
war nicht drin denn, viele gingen noch
zur Schule oder waren in der
Ausbildung.
In der Glasstr. war das Lokal
„Fuchs“, dort wurde auch getanzt, aber
überwiegend von Belgischen
Besatzungssoldaten. Einige Mädels verkehrten dort
und ließen sich von den Soldaten freihalten. Später
kamen dann Ihre deutschen
Freunde, meist Brüder oder andere Bekannte
dazu. Es startete eine anständige
Klopperei, die oft mit der Polizei
und den belgischen Feldjägern
geschlichtet werden musste.
Die Cliquen zogen auch öfters am
Abend n eine andere Kneipe um. Es sprach sich schnell rund, wo am
meisten los war und wer wen treffen wollte. Einige Jungs waren dann auch
schon motorisiert, dann fuhren auch
schon mal zehn Personen in einem
geklauten Opel-Kapitän.

The
Playboys: Eine der bekanntesten Ehrenfelder Bands der 60er
Jahre.
Nach und nach hatten sich die
besten Tanzpaare heraus kristallisiert oder sie "gingen" miteinander,
wie man damals sagte. Meist an Wochenenden
veranstalteten einige Lokalbesitzer so genanntes Preistanzen (Tanzturniere). Die
Spitzentanzpaare wurden dann von ihren Anhängern begleitet, die lautstark abstimmten. Als
Preise gab es kleine einfache Pokale, kleinere Geldpreise oder Naturalien z.B. eine
Flasche Sekt oder eine Runde Bier. Ein Spitzenpaar sei hier kurz
erwähnt, die fast alle Preise abräumten waren Häschen & Willi, mit bürgerlichem
Namen Inge (Werheid) und Willi Gleno-Geloneck.

Sie tanzten den typischen
amerikanischen Stil mit etlichen Figuren und Überschlägen in perfekt
artistischer Ausführung. Einige Bilder und Figuren erfanden sie selbst, so
daß sie immer mit neuen Überraschungen aufwarten konnten. Man muss dazu
sagen, Willi war von Hause aus Artist und Tänzer. Er trat schon als Kind
mit seinem Vater in den 50er Jahren im Kölner Kaiserhof auf. Sie waren als
Duo Charly & Sohn bekannt. Viele Jungendliche kopierten ihren Stil, der
ganz schnell in Köln bekannt würde.
Willi
Gleno-Geloneck und seine Frau Inge in frühen Tagen. Heute ist Willi
Gleno-Geloneck Inhaber der legendären Travestie-Bühne Hotel Timp.
Nach und nach wurde die
Musikbox-Kneipen von Live-Musik abgelöst, man wurde älter, am Wochenende trug man
Anzug.
Man war motorisiert und fuhr zu Tanzlokalen außerhalb Ehrenfeld, wie etwa
zum „Whisky Bill“ nach
Forsbach, „Bickendorfer Hof“, „Zum letzten Pferd" nach Bocklemünd oder zum „Rheinhotel“
nach Porz. Aber überall, wo eine Rock’n’Roll Nummer
gespielt wurde, tanzte man den typischen Ehrenfelder Stil.
Text: Josef Michels
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