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Verwurzelt in Kultur aus Köln, Rock und Literatur
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Jochen
Arlt, Jahrgang 1948, geboren im norddeutschen Dinklage, verbrachte seine
Kindheit in der Eifel, wurde 1957 “eingekölscht“. Lebt heute mit Frau
und zwei Kindern in Bad Münstereifel. 1970 beim “Kölner
Stadt-Anzeiger“, Wechsel zur PR-Abteilung der Bayer AG in Leverkusen,
Pressedienstleiter beim BA für volkswirtschaftliche Aufklärung. |
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Du
bist erst spät nach Köln gekommen?
Jochen:
Spät? Meine Mutter wohnte ab 1950 zunächst in der Engelbertstraße, exakt
in jener Wohnung übrigens, wo später der Schriftsteller Rolf Dieter
Brinkmann mit Familie lebte. Ich verbrachte die ersten Jahre mit meinen
Grosseltern in Langwege, zwischen Vechta und Dinklage gelegen, wurde
eingeschult in Obermendig, nahe Maria Laach, und bin 1957 offiziell eingekölscht
worden am Mauritiuswall. Was
waren Deine ersten musikalischen Berührungspunkte?
Jochen:
Direkt als erste, hiernach als dritte Stimme eines Knabenchors. Und zwar besuchte ich
ein Internat
im Rheingau, der dortige Chor war recht renommiert und ging regelmäßig auf
Tournee. Der indirekte Berührungspunkt trug nur einen Namen: Freddy! Freddy
Quinn – ich darf erinnern an Fuffie-Hymnen wie „Heimweh“, „Melodie der Nacht“ oder „Weit ist der Weg, der Weg ist so weit“. Die Texte bete ich heute,
so gewünscht, noch fehlerlos.
Jochen Arlt 1955: unbeschwerte Jugend in der Vulkaneifel. Freddy
indes war ruckzuck außen vor mit dieser Erscheinung namens Drafi Deutscher – „Teeny“,
„Shu Bi Du Bi Do The Slop“ und solche Kracher, noch vor „Marmor,
Stein und Eisen bricht“, entführten
den damals 15jährigen in ein völlig
anderes Universum. Nahe des Mauritiuswalls, direkt am Zülpicher Platz, wo heute der Plus-Supermarkt ist, befand sich zu jener Zeit der Kaskade Club. Da durfte ich eigentlich noch gar nicht rein, aber dem Türsteher war der Pickeljunge scheinbar egal. On stage wütete Shorty Miller, so etwas wie Kaskade Haussänger Nr. 1.
Jochen Arlt mit 13 Jahren im Jahr 1961 Ihn entdeckte ich nachher bei Hertie am Neumarkt, wo er graziös alten Damen Dampfradios verkaufte – und mir nen Elac-Plattenspieler für 6 Mark 45. Shorty im Hertie war mir vergleichbar wichtig wie Shorty abends, wenn er wie jeck mit Hippy Hippy Shake oder Just Like Eddie Gas gab. Zudem bot das Kaskade halt den unvergleichlichen Drafi-Spirit. Ah, auch der spätere "Das
war, bitte nicht vergessen, das Dinozeitalter „Motorbiene“-Überstar
Benny Quick war regelmäßig zu
bewundern, dessen furiose Versionen von „The
House Of The Rising Sun“ und „Pretty
Woman“ mir unvergessen bleiben. Das war, bitte nicht vergessen, das
Dinozeitalter der elektrischen Gitarren, die mich faszinierten. Parallel
dazu rollte lawinenartig die Beat-Bewegung. Und erst recht um mich geschehen
war es, als ich den Twist wie Slop
tadellos beherrschte. Ich bekenne, zu Hause vorm Spiegel regelmäßig geübt
zu haben, bevor samstags mit Freunden in der Moni
Bar am Kaiser-Wilhelm-Ring zu „Off
The Hook“ von den Stones oder Tony Sheridans „Skinny
Minny“ aufgedreht wurde. "Ich hatte schlimmste Ängste, reifere Frauen, will Wenig
später, nebenan, trauten wir uns die Treppe runter ins Storyville,
wo tatsächlich pilzköpfige englische Top-Twenty-Musiker, etwa
Wayne Fontana And The Mindbenders, auf der Bühne standen. Wow! Ich war
jedoch noch arg pubertierend, schüchtern und hatte schlimmste Ängste,
reifere Frauen, will heißen so 20jährige, zum Tanz aufzufordern. Mit schweißnassen Händen klammerte ich mein Kölschglas statt eines der Mädels.
Gleichzeitig bereicherte die Szene der Star Club am Rudolfplatz, wo ich unter anderem „Diddley Daddy“ oder „Johnny B. Goode“ von der einzigartig-sensationellen Mädchenband The Liverbirds hören und sehen durfte. Das Kaskade schien trotz Superacts wie "The Swinging Blue Jeans" leicht ins heiße Milieu abzudriften. Dummse Tünn kam mit Gefolge, man zog den Kopf ein und machte die Fliege.
Jochen Arlt und Dummse Tünn. - Foto: Jessica Christoforidis Ich konzentrierte mich auf andere
Live-Musik-Läden. Bis es etwa 1967 zum Bruch kam durch die erste
Discotheken-Welle mit dem „Black Horse“ am Friesenplatz beispielsweise. Nahe des Heumarkts jedoch etablierte sich die Zentraldisco, ich weiß nicht mehr den Namen. Jedenfalls hieß der dort angesagte DJ Ray Miller, bis ins Landkölnische hinein konkurrierend mit Roland W. aus dem Scotchmen’s
Roland W., aktuelles Selbstportrait, 2001 Club, Hohenzollernring, wo noch Stars von Casey Jones & The Governors bis Bill Haley dem Jungvolk Zucker gegeben haben. Roland landete überdies den Erfolgsheuler „Monja“, womit er Beatles, Kinks, Stones in den Hitparaden hinter sich ließ. Für diesen populären James Dean-Alleinunterhaltertyp
"Monja" Singlecover von Roland W. investierte ich satte fünf Mark Eintritt. Jahrzehnte später lernte ich Roland W(ächtler). persönlich kennen – er wohnt im Westerwald, lebt von der Kunstmalerei und veröffentlichte jüngst Aufgekochtes von „Cindy Jane“ über „Denver Colorado“ bis „Monja“.
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