R E N É    D O H M E N    &   J U M P E L   D Ü R B E C K               Seite 4


 

Jumpel: Es war ein sehr unheimliches Gefühl, als wir die Garage ausräumten, die ganz voll war von Bildern mit religiöser Symbolik. Ich dachte immer nur: „Lasst das bloss alles liegen“.  

René: Zwei Tage später, nachdem wir angefangen hatten zu renovieren, kamen zwei Sektenmitglieder und fragten, was wir denn so machen würden. Sie würden die Energien bis zu ihrem Haus spüren. Es war ziemlich unheimlich.  


"Wir haben jedes Wochenende Party gemacht und
die Nachbarn haben sich kein einziges Mal beschwert."


Das Verrückte war jedoch, dass wir jeden Tag geprobt und jedes Wochenende Party gemacht haben - bis sechs oder sieben Uhr - bei offenen Türen und Fenstern. Die Nachbarn haben sich kein einziges Mal beschwert. Bis ich sie dann mal gefragt habe, wieso sie sich nicht beschweren würden. Sie meinten nur: „Leute die feiern, sind glückliche Leute, die darf man nicht stören“.  


Bones - live in concert.


Jumpel: Sie waren sehr friedliche Leute und wollten uns auch nicht bekehren, aber was trotzdem immer dieses komische Gefühl. Was du nicht kennst und einschätzen kannst, macht Dir erstmal ANGST. Wir haben ein Jahr da gelebt. Dann wurde das Haus und  der Ort für uns zu klein. Es gab nichts; noch nicht mal einen Zigarettenautomaten.  

René: Wir haben da zusammen gegessen, geprobt, geschlafen und teilweise auch noch den gleichen Job zusammen gemacht.  

Was für ein Job war das?

René: Messebau. Allerdings nur manchmal.  

Jumpel: Was ich ziemlich toll fand war, dass die Garage direkt neben dem Proberaum lag. Wenn wir nachts von Auftritten oder der Arbeit zu  Hause ankamen, fuhren wir in die Garage, schlossen die Tür und huschten in unsere Betten. Wir fühlten uns wie eine Gangsterbande, die ihr Versteck aufsucht.  


"Wir fühlten uns wie eine Gangsterbande,
die ihr Versteck aufsucht."
 


René: Wir sind damals von jedem Auftritt direkt nach Hause gefahren. Ich kann mich an einen Auftritt erinnern, im Cafe „Swing“. Wir spielten von ein Uhr nachts bis drei Uhr und fuhren dann direkt zurück. Einen Tag hin und am gleichen Tag zurück.  

Woher kam der Entschluss, nach Köln zu gehen?

René: Die ersten Plattenfirmen nahmen Notiz von uns. Auch die Presse zog langsam nach. Wir standen dann schon mal in der Stadt Revue. Außerdem hatten wir es dann nicht so weit, um uns zu besaufen, das war von Rieferath aus ja immer eine halbe Weltreise. Unser erstes Konzert gaben wir im Underground zusammen mit den Flowerpornoes. Dann sind Jumpel und ich ins Westcenter Hochhaus in Köln-Bickendorf gezogen.....  


Ein Solitär in Bickendorf: das West-Center am frühen Morgen.            Foto: Wolfgang Schreck


Jumpel: Ein kaputter Ort. Wir hatten früher mal einen Gig im Starclub in der Wilhelm-Mauser-Straße, dem späteren Empire und kamen am Westcenter vorbei. Eine Frau im Haus schrie die ganze Zeit um Hilfe. Ich meinte zu René: „Stell Dir vor, Du müsstest hier leben“. Ein wirklich grauenhafter Gedanke. Ein paar Jahre später zogen wir dann dahin.

Dann kam unser erster Plattenvertrag. Über Big Noise Records, die unsere ersten CDs ("Kalkstück 13" und die Maxi "Crocodile Tears") veröffentlichten, sind wir bei der EMI gelandet. Da hatten wir einen Vertrag über ein Album, verbunden mit vier weiteren Optionen. Zwei sind auch ausgesprochen worden.