G    I    G    I         H    E    R    R

 

Foto aus dem Buch von Winfried Fischer und Fritz Kissels
"Kölner an sich" - Kölnische Galerie des Kölnischen Stadtmuseums 1996
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Gigi Herr.

Ich komme mehr vom komischen Fach

 

 

 
Gigi Herr, am 28. Dezember 1942 in Köln geboren, Schauspielerin, Kabarettistin und kölsches Original. Nichte der legendären Kölner Volksschauspielerin Trude Herr, erste Erfahrung auf der Bühne als vierjähriges Heinzelmännchen. 
Willy Millowitsch, spielte in den 70ern mit ihrer Tante in deren
Theater im Vringsveedel, ging danach eigene Wege.
Aktiv im Kölner Sitzungskarneval (“Das Traumpaar“), später das Wetterhuhn von (RTL), wurde sie der Star des Kaiserhof-Theaters in den schrillen Inszenierungen von Walter Bockmayer. Gastrollen in TV-Serien (Sportarzt Conny Knipper, Die Wache, Die Anrheiner, Soko Köln) und das erste eigene Soloprogamm “Frau Herr - Solo für Gigi“. Wenn sie “die Rente durch hat“, will sie sich verstärkt ihrer Leidenschaft hingeben und die Welt bereisen

 

Bist Du in Köln aufgewachsen?  

Gigi: Ja, in Nippes, ich lebe hier in dieser Wohnung seit 1945.


Gigi Herr im Jahr 1947 mit Vater Robert Herr


Was waren Deine ersten Berührungspunkte mit Musik?  

Gigi: Wahrscheinlich, als mir die Oma “Hänschen Klein“ vorgesungen hat, bewußt natürlich erst in der Teenager-Zeit. Da war ich ein großer Jazz- und Dixie-Fan, das war meine Jugend.  


1952 in der Grünanlage Mauenheimer Straße 


Wo bist Du damals hingegangen?  

Gigi: Ins Boheme am Eigelstein und das Tabu am Ring, aber verbotenermaßen, weil ich eigentlich noch zu jung war. Im Boheme, dass weiß ich noch, war ich zum ersten Mal mit dreizehn, mit Chargesheimer, ein bekannter Kölner Fotograf. Er war ein Bekannter meiner Mutter und sagte: „Ich jon met dem Panz do hin, damit dat die Musik hüüre kann“.
Ich ging dann auch allein zum Tanzen ins Boheme; es gab ja noch keine Türsteher. Später fuhr ich öfter nach Frankfurt; ich hatte dort einen Freund, den Charlie. Wir machten selber ein bisschen Musik. 


Gigi Herr


In den Jazzkellern spielten die ganzen Koryphäen; alles was Rang und Namen hatte: Jimmy Woode, Kenny Clarke, Modern Jazz Quartett oder Albert Mangelsdorf. Wo was los war, da war ich auch.  

Wie lief man in dieser Jazzszene herum? Mit schwarzem Rollkragenpulli?

Gigi: Damals in den Sechzigern war die Sackmode modern; die Kleider hatten keine Taille und hingen einfach herunter wie ein Sack, eine Mode von Dior. Ich hab das mit der Sackmode ernst genommen und aus ein paar Kartoffelsäcken


"Ein Strassenbahnfahrer war darüber so irritiert,
dass er seine Bahn stoppte und innerhalb
kürzester Zeit stand der ganze Verkehr still." 


selber ein Kleid geschneidert. Das reichte vorne natürlich noch bis zu den Knien, aber hinten guckte fast der ganze Hintern raus.
Deswegen wurde einmal der Neumarkt gesperrt. Über den bin ich damals in diesem Kleid zusammen mit einem zwei Meter großen Farbigen gegangen. Ein Straßenbahnfahrer war darüber so irritiert, dass er seine Bahn stoppte und innerhalb kürzester Zeit stand der ganze Verkehr still.