J  E  N  S        H  O  L  T  Z  S  C  H  N  E  I  D E  R                          


 

"Ich habe mir Platten von Bands gekauft, deren Frisuren ich toll fand"

 

 

KMO: Was waren Deine ersten Erinnerungen an Musik?

Jens Holtzschneider: Mein Vater hat Gitarre gespielt. Er hat mir das erste Lied auf der Gitarre beigebracht. Ich glaube, es war „Hey, Mister Dream Maker“. Ich war so acht oder neun Jahre alt und ich wollte danach unbedingt Gitarre lernen. Ich musste jedoch bald erkennen,


1969: Die Folgen der antiautoritären Erziehung. 


dass es ziemlich mühsam ist, deshalb hatte ich es erstmal zu Gunsten von Fussball spielen und solchen Sachen hinten angestellt.
Die erste Berührung mit Musik kam auf jeden Fall über meinen Vater.  

Was hört Dein Vater?

Jens: Mein Vater hört Jazz, Mainstream-Jazz, eher so Dixieland


Kasperletheater 1972. Wer war das Mädchen nebenan?


Sachen....Kneipen-Jazz. Aber auch Blues, wenn er nicht zu hart ist. An Karneval natürlich kölsche Musik.  

Du bist also mit Jazz Musik aufgewachsen?

Jens: In dem Alter kamen von meinem Vater eher die kölschen Sachen wie zum Beispiel Bläck Fööss  bei mir an. Dann bin ich auch sehr stark durch


Strandurlaub in Bulgarien, 1973 


meine Cousine Claudia beeinflusst worden, die ein sehr grosser „Bay City Roller“ Fan war. Irgendwann kam die Kirmesmusik, also die Musik, die man so auf dem Autoscooter hörte.  


Jens Holtzschneider während des Ostseeurlaubes 1971.
Man beachte die Lederjacke.


Mit 13 fand ich dann Kiss super. Das war auch mein erstes Konzert. Es fand in der Sporthalle statt. Vorgruppe war Iron Maiden. Meine Mutter ist mitgekommen und drei Leute aus meiner Klasse. Das war 1982. Kiss hatten gerade ihren Hit „I Was Made For Loving You, Baby” gehabt. Gut fand ich sie, weil sie geschminkt waren und auch eine gute Show gemacht haben. Im selben Jahr war ich auch mit meinen Eltern in London. Da habe ich mir ziemlich viele Platten gekauft.......alles was billig war und ich mir von meinem Geld leisten konnte.  


Kindheitserinnerungen: Auf meinem Wunsch hin fotografiert:
"Hubschrauberlandeplatz". Der Aschenbecher ist jetzt in meinem Besitz. 


Unter anderem war auch eine Sex Pistols Single darunter. „God Save The Queen“ für 99 Pence. Die fand ich sehr geil und in London habe ich auch zum ersten Mal Punks gesehen und war erstmal tierisch beeindruckt. Das war schon die Nach-77er Punk-Generation. Daraufhin habe ich angefangen, mir Musikmagazine zu kaufen.

Was für Magazine?

Jens: Hauptsächlich „Sounds“. Musikalisch war es aber nicht so, das ich mich hätte auf eine Sache festlegen können. Es gab immer vieles, was mir gefiel. Auch Radio-Pop wie Duran Duran, Culture Club, Dexys Midnight Runners, Heaven 17. Ich begann, mich mit Musik und Musik Kultur und dem, was dahinter steht, zu beschäftigen. Ich bin öfter zum Hauptbahnhof gefahren; hab’ mir dort den „New Musical Express“ gekauft und dann mühsam zu Hause übersetzt.  


1975: Das Jahr, in dem meine Mutter und ich den Oasis-Look erfunden haben. 


Mit Wörterbuch?

Jens: Klar! Aber ich hab’ eigentlich nie wirklich kapiert, um was es da ging.

In der Zeit hast Du auch Gitarre gespielt?

Jens: Ich habe es nie richtig gelernt. Ich kam über die drei Griffe, die mir mein Vater gezeigt hat, nicht hinaus. Ich habe dann zwei Versuche gehabt, klassische Gitarre zu lernen. Ich fand es langweilig, anstrengend und habe auch nie geübt. Zu einem Gitarrenlehrer habe ich dann mal irgendwann gesagt, dass ich was Poppiges’ spielen wollte. Da kam er mit „Stairway To Heaven“ und das fand ich dann sowieso Scheisse.