B   O   R   I  S        P   O   L   O   N   S   K   I                      


 

 

"Ich bin Monomane, was Musik betrifft."


Geboren im Mai 1972 in Kiev, lebt nach mehreren Zwischenstationen seit 1992 in Köln. Der gelernte Cellist tauschte sein Instrument aber früh gegen Sampler und analoge Synthesizer ein. Seit 1986 komponiert er größere Orchesterwerke, spielt als Solist mit dem Ensemble Modern, führt allein und in Gruppen verschiedenste Klanginstallationen auf (u.a. auf der Documenta X) und schreibt Filmmusiken.
Boris Polonski trat auch als Remixer für ua."Unknown Cases", "Sign of time", "Trance Groove", "Brings" u.a. hervor. Er benutzt hauptsächlich analoge und speziell angefertigte Klangerzeuger für seine Musik.
Die totale Ablehnung des computerunterstützten Komponierens lassen ihn in seiner Musikergeneration als eine Art Exot erscheinen.


 

 

 

 

 

 

Wann und wo bist du geboren?  

Boris: Am 14.Mai 1972 in Kiev, der ehemaligen UdSSR. An die deutschen Fleischtöpfe sind wir 1979 gekommen. Kurz gesagt, mein Vater, der beim Militär war, hat einen verbrecherischen Befehl verweigert und damit Menschenleben gerettet. Die Folge war das wir offiziell des Landes verwiesen wurden.


Weich gebettet: Boris Polonski in jungen Jahren


Zuerst sind wir nach Wien gekommen und haben dort auf eine Reiseerlaubnis nach Dänemark gewartet. Dort sind wir nicht in die Lotterie gekommen, weil es an Medizinern keinen Mangel gab. Man machte die Einreise vom Beruf abhängig.
Schließlich sind wir im Aussiedlerlager Berlin Marienfelde gelandet und haben politisches Asyl beantragt.
 


Nach Hause telefonieren, Boris 1974  am Telefon.


Mein Vater hat ziemlich schnell Arbeit als Oberarzt in Duisburg gefunden. Wir sind ihm hintergereist. Über verschiedene Stationen sind wir dann in Solingen gelandet. Nach dem Abi habe ich mich nach Italien abgesetzt. Ich bin dann aber Ende `92 nach Köln gekommen.  

Was waren die ersten Sachen die Dir musikalisch in Erinnerung geblieben sind?  

Boris: Shostakowich! Die erste selbst gekaufte Single hat mich nicht so geprägt. Das war “Stand And Deliver“ von Adam And The Ants.

Die wirklich prägende, hatte folgendes Vorspiel. Ich war krank und ein Mädchen aus der Nachbarschaft hat mir drei Sachen hochgebracht. Das waren Kraftwerk „Das Model“, DAF „Tanz den Mussolini“ und die LP von Visage. Die Platten habe ich bis zum Abwinken auf meinem kleinen


"Ich bin Monomane, was Musik angeht. Ich kann
mir ein Stück hundert Mal am Tag anhören.
"


Monoplattenspieler gehört. Ich bin Monomane, was Musik angeht, ich kann mir ein Stück auch hundert Mal am Tag anhören. Das war 1982.  

Wann hat es mit Dir und dem aktiven Musikmachen begonnen?  

Boris: Da bin ich sehr durch die Familie geprägt. Meine Großmutter war Musikerin und ich durfte als Kind nicht ans Klavier. Die Frau war klug, hätte ich es gedurft, wäre ich wahrscheinlich nicht Musiker geworden  


Weihnachten 1974 in der Schule.


Ich habe mir mit Zwölf den Film „Amadeus“ angekuckt und war absolut ergriffen. Andere Kinder haben bei „E.T.“ geweint und ich bei „Amadeus“. Ich habe mir eine Melodie aus dem Film gemerkt und aufgeschrieben. Ich konnte damals schon Noten lesen und habe diese Melodie auf meiner Orgel nachgespielt.   


"Andere Kinder haben bei "E.T." geweint
und
ich bei "Amadeus"."


Da habe ich festgestellt, dass ich komponieren kann. Da wusste ich, dass ich nichts anderes machen möchte. Später, als ich mich dann als Komponisten erklärt hatte, musste ich Cello lernen. Das Cello habe ich dann glücklicherweise irgendwann verkauft und mir von dem Geld ein Samplinggerät gekauft, mit dem ich dann die ersten Technoplatten gemacht habe.