H   A   R   T   M   U   T        P   R   I   E   S   S   

Foto: Stefan Schmitz

 

"Jede These braucht eine Antithese"


Hartmut Prieß, Jahrgang 1942 und gebürtiger Berliner, ist ein Gründungsmitglied der legendären „Bläck Fööss“, die 2005 ihr 35jähriges Bühnenjubiläum feierten.
Zu Anfang nannten sie sich noch Stowaways und spielten englische Coverversionen auf Karnevalsveranstaltungen. Als die Zuschauer auch Kölsche Lieder verlangten, kam man den Wünschen der Fans natürlich nach. Nachdem die Band sich entschlossen hatte, den Kölsch-Titel "Rievkooche-Walzer" auch im Studio aufzunehmen, kam der neue Name Bläck Fööss ins Gespräch. Man fand heraus, dass unter dem Namen "Stowaways" bereits eine englisch singende Beatgruppe existierte.
Ins Hochdeutsche übersetzt meint Bläck Fööss übrigens "barfuß", denn so tritt die Band anfangs auch auf. Zwar glaubten viele Menschen, daß mit der Trennung von Tommy Engel 1994 das Ende der Bläck Fööss bevorstünde, mit Kafi Biermann wurde jedoch schnell Ersatz für den ausgeschiedenen Frontmann gefunden.
 


 

 

 

 

Wann bist Du Geboren?  

Hartmut: Im August 1942 in Berlin.  

Im August, dann ist Dein Sternzeichen wahrscheinlich Löwe? Glaubst Du an Astrologie?  

Hartmut:  Ja, ich bin Löwe, soweit glaube ich also an Sternzeichen, denn ich habe mit diesen Tieren viel gemein. Sonst habe ich von Sternzeichen keine Ahnung.  

Wie kommt ein Preuße nach Köln?  

Hartmut: Zwangsweise. Ich habe meine Hände in den Heimatasphalt gekrallt, aber Macht ging vor Gerechtigkeit. Meine Eltern waren stärker als ich und haben mich im Alter von neun Jahren aus Berlin herausgerissen. Ich bin unter Schmerzen gegangen und in den ersten fünf Jahren vor Heimweh fast umgekommen.  


"Ich bin aber in den späteren Jahren durch
die Musik mit vielen versöhnt worden."


Das lag nicht an Köln, sondern an den Freunden und sozialen Bindungen, die ich zurückließ. Das hat mich sehr beschäftigt und ist für meine musikalische Arbeit nicht ganz unwesentlich, weil ich einen Zugang zu dieser Art von Gefühlen habe. Oberflächlich gesehen fand ich in Köln ziemlich schnell eine Heimat und hatte auch sehr schnell Kontakt. Aber das kann einem nicht ersetzen, was man verloren hat. Darum habe ich mich sehr schwer getan, mich an Köln zu gewöhnen. Ich bin aber in den späteren Jahren durch die Musik mit vielem versöhnt worden.   


Hartmut Prieß (li)- Längsstreifen machen Kneipen schlank.   Foto: Archiv Jochen Arlt 


Wie hast Du in Köln Deinen ersten Karneval erlebt?  

Hartmut: Wir sind im Herbst 1951 hier angekommen und bereits 1952 sollte mich verkleiden. Das ist mir dann auch angetan worden, zwangsweise. So dauerte es keine zehn Minuten, bis mein Kostüm in der nächsten Hecke landete.


 "Für meine musikalische Sozialisation war die
Boogie Musik von großer Bedeutung."


Als Berliner ist man gegen solche Dinge immun, das ist auch heute noch so. Obwohl ich den Wert von Kostümen und Masken erkenne. Doch ich bin in diesem Fall eher ein beobachtender Außenstehender. Ich denke, Karneval ist eines der größten kreativen Spiele in unserer Republik. Besonders Kinder entwickeln einen besonderen Bezug zu ihrer Region, das gilt natürlich ganz besonders für Köln.  


Hartmut Prieß live.                Foto: Hubert A. Lünenschloß


Wie bist Du zur Musik gekommen? Spielte der Musikunterricht dabei eine wichtige Rolle?  

Hartmut: Musikunterricht wurde in der Schule leider nicht besonders großgeschrieben. Er fiel öfter aus, weil eine Mathearbeit geschrieben werden mußte. Für meine musikalische Sozialisation war die Boogie Musik von großer Bedeutung. In Köln hatten wir den britischen Sender BFN, der ein Vorläufer von BFBS war. Diese Sendungen waren mir vertrauter als das, was der WDR sendete. Die erste Nummer, die ich dort hörte, stammte von Tennessee Ernie Ford und hieß Shotgun Boogie.

 

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