J   Ü   R   G   E   N        R   A   A   P                                                                           


 

 

"Wir wurden von den Lehrern konsequent zum Frisör geschickt"

 


Jürgen Raap ist 1952 in Köln geboren und arbeitet dort seit 1980 als Journalist, Kunstkritiker und Performance-Künstler. Er studierte Kunstwissenschaften und Germanistik (Lehramt für Gymnasium) sowie Freie Kunst an den Kölner Werkschulen. Er ist Mitarbeiter bei mehreren Kunstzeitschriften.
Daneben hat Jürgen Raap zahlreiche Publikationen in Künstler- und Ausstellungskatalogen und Beiträge zu literarischen Anthologien verfasst und veröffentlicht Kriminalromane.


 

Geboren am?  

Jürgen: 03.08.1952. Im Kölner Krankenhaus Hohenlind.  

Dein Sternzeichen ist der Löwe. Glaubst Du an Sternzeichen?  

Jürgen:  Nein! Was einen Menschen prägt in seinem Charakter und seiner Persönlichkeit, sind zu einem geringen Teil Erbanlagen und zu einem großen Teil soziale und kulturelle Einflüsse, die von außen kommen.  

Wo bist Du aufgewachsen?  

Jürgen: Aufgewachsen bin ich im Eigelsteinviertel. Die erste Wohnung meiner Eltern lag in der Machabäerstraße. Mein Vater hatte dort einen Schuhmacherladen, den hatte er 1936 übernommen. Er war kein Rheinländer, sondern stammte aus Stade an der Elbe. Er ging, obwohl es unter den Nazis verboten war, als Handwerksgeselle auf Wanderschaft. In Weimar hatte er seine Meisterprüfung als Schuhmacher abgelegt. Sein großer Traum war es, einmal im Leben eine Schiffstour auf dem Rhein zu machen. Das machte er dann und landete in Köln.  


Mein erster Schultag, 9. April 1959, Volksschule Gereonswall.
Im Hintergrund das alte "Klingelpütz" Gefängnis.
   


In der Machabäerstraße entdeckte er die Schuhmacherwerkstadt und übernahm sie. Im hinteren Teil der Wohnung lagen zwei kleine und feuchte Räume. Dort wohnten wir bis 1961, danach zogen wir in die Eintrachtstraße, in eine Wohnung mit Badezimmer und Heizung. Das war ein enormer Gewinn an Komfort.  


"Ein schöner wohnsoziologischer Spiegel unserer Gesellschaft,
mit dem man die Wohlstandsentwicklung der 60er Jahre begreifen lernt."


Bezeichnend für die damalige Zeit ist, daß die hinteren Räume in dem Schuhmacherladen an DDR-Flüchtlinge vermietet wurden. Das wurde denen nach ein paar Jahren allerdings zu popelig und die Räume wurden an türkische Gastarbeiter weitergereicht. Ein schöner wohnsoziologischer Spiegel unserer Gesellschaft, mit dem man die Wohlstandsentwicklung der 60er Jahre begreifen lernt.  


Performance "Karl-Josef Bär" mit Dominique Grosjean    


In Deinem Roman „Eigelstein Blues“ beschreibst Du Deine Kindheit in diesem Viertel.  

Jürgen: Das stimmt. Die Hauptfigur Karl-Josef Bär ist Privatdetektiv und bekommt den Auftrag, Nachforschungen über die Biographie eines ermordeten Mannes anzustellen. Diese Person war ein Hehler, der in den 50er und 60er Jahren am Eigelstein lebte. Es gibt immer wieder Rückblenden in die 60er Jahre, in die ich meine authentischen Kindheitserinnerungen einbringe. Da tauchen auch reale Personen und Orte auf.