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J
Ü R G E N
R A A P
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Welche
Orte sind Dir in besonderer Erinnerung geblieben? Jürgen:
Es gab ein Cafe, in dem ein Kellner mit einer Kriegsverletzung arbeitete. Man
hatte ihm im Krieg den Unterkiefer weggeschossen. Er sah sehr gruselig aus.
Ich mußte sonntags für den Nachmittagskuchen immer Schlagsahne in dieser
Konditorei holen. Ich weigerte mich immer zu gehen, weil ich Angst vor diesem
gruseligen Kellner hatte. Das half aber nichts, es hieß nur: Du gehst. " Ich weigerte mich immer zu gegen, weil ichAngst vor diesem gruseligen Kellner hatte." Der
Eigelstein in den 60ern muss doch ziemlich halbweltmäßig gefärbt gewesen
sein? Jürgen:
Es heißt, der „Stavenhof“ soll Europas älteste Bordellstrasse gewesen
sein. Selbst im Mittelalter, als der Eigelstein noch nicht kontinuierlich
bebaut war. Das war damals alles noch relativ ländlich. Die Weidengasse war
in der Tat nur ein Feldweg, der von Weiden gesäumt wurde. Im Einzugsbereichs
des Stavenhofs soll es ein Bordell gegeben haben, von dem behauptet wird, daß
sich Friedrich Nietzsche dort die Syphilis geholt hat.
Jürgen Raap am 29. Dezember 1966 am Breslauer Platz Als
Bordellstraße diente der Eigelstein bis in die 70er Jahre, dann wurde die
gesamte Kölner Innenstadt zum Sperrbezirk erklärt und das Eros-Center in
der Hornstrasse eröffnet. Straßenstrich gibt es am Eigelstein immer noch
vereinzelt. In bestimmten Kneipen warten ältere Damen auf ihre Kunden. Das
hat man trotz aller ordnungspolitischen Maßnahmen nie ganz eindämmen können.
Was sind
die ersten musikalischen Eindrücke, an die Du Dich erinnern kannst? Jürgen:
Mein Vater hörte am Wochenende immer Sportnachrichten. Es gab eine Sendung,
die sich „Sport und Musik“ nannte und immer sonntags lief. Zwischen der
Berichterstattung gab es Musik, die von Operette bis Schlager reichte.
Ziemlich langweilig. Meinen ersten Kontakt zum Rock’n’Roll hatte ich als
Kind. Sie
ließen die Kneipentür auf und
die Musik hallte über den Hof. Neben
der Werkstadt meines Vaters gab es eine Kneipe, deren Toiletten auf dem Hof
lagen. Wenn die Leute diese aufsuchten, ließen sie die Kneipentür auf und
die Musik hallte über den Hof. Ich bekam Elvis
und Chuck Berry in fetzenhaften Stücken
zu hören. Was ich davon mitbekam, war immer so lange wie eine Pinkelpause.
Aufmerksamer Zuhörer, Jürgen Raap, 1982 Nach den Abendnachrichten, so gegen viertel nach Sieben, musste ich als Kind ins Bett gehen. Meine Mutter war da sehr rigoros. Das war gerade im Sommer, wenn es erst gegen 21 Uhr dunkel wurde, ziemlich nervend, denn ich konnte natürlich nicht einschlafen. So habe ich mir halt mit dem Zuhören die Zeit vertrieben. Da Kölsch „treibt“, gingen die Leute relativ häufig auf Toilette. Das ist also die Musik, die ich immer noch gerne höre, obwohl ich für die Rock’n’Roll-Generation eigentlich zu jung bin.
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