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J
Ü R G E N
R A A P
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Du gehörst
zur Beatgeneration. Gab es in Deiner Schulzeit noch Repressionen wegen
Kleidung und langer Haare? Jürgen: Wir wurden von den Lehrern konsequent zum Frisör geschickt, sobald die Haare ein wenig über die Ohren wuchsen oder im Nacken den Kragen ereichten. Es war auch untersagt, mit Jeans in die Schule zu kommen. Wir hatten einen Turnlehrer, der Deisenroth hieß; ein DDR-Flüchtling, der immer einen Trainingsanzug trug und im Kasernenhof-Ton mit uns kommunizierte, den er bei der Wehrmacht erlernt hatte.
Jürgen Raap im Abiturjahr 1971 vor einem Plakat der Kunsthalle Köln Der
schickte mich einmal in der 10 Uhr-Pause nach Hause, weil ich eine Jeans
trug. Meine Eltern bekamen auch einen blauen Brief. Das wurde auch zu Hause
sehr ernst genommen. Als wir etwas älter waren und es mit der 68er Studenten-Protestkultur losging, waren diese unsinnigen Vorschriften einer der Gründe, sich dieser rebellischen Jugendkultur anzuschließen. Wir waren die erste " Wir waren die erste Schülergeneration, die 1971nicht um blauen Anzug zur Abiturfeier erschien." Schülergeneration,
die 1971 nicht im blauen Anzug zur Abiturfeier erschien. Wir trugen Jeans und
T-Shirt. Der Direktor, natürlich im schwarzen Anzug, betrat unser
Klassenzimmer, knallte die Zeugnisse auf das Pult und brüllte: „Meine
Herren, ich wünsche Sie nie mehr wieder zu sehen“, und verließ den Raum. Was
geschah nach dem Abitur? Jürgen:
Ich studierte an der Kölner Uni Germanistik und Kunstwissenschaften. Ich
habe 1976 mein Staatsexamen mit einer Arbeit über Max
Ernst Max Ernst und Johannes Theodor Baargeld hatten sich dort einen Raum gemietet, der nur durch die Herrentoilette zugänglich war, hinter einem Lichthof. In diesen Lichthof stellten sie ein kleines Mädchen im Kommunionskleid, das obszöne Gedichte aufsagte. Im Raum selber standen Objekte und eine Axt. Das Publikum dufte die Objekte mit dieser Axt zerstören.
Performance mit Lionel Magloore (links) in der Kölner Artothek, 1986 Die
Ausstellung wurde nach wenigen Tagen polizeilich geschlossen, und es wurde
gegen die beiden wegen Blasphemie und Pornographie ermittelt. Als die
Ausstellung nach einigen Tagen wieder eröffnet wurde, entwarf Max
Ernst ein Plakat, auf dem zu lesen stand: “Dada ist für Ruhe und
Ordnung! Wiedereröffnung der polizeilich verbotenen Ausstellung!“ Dada
ist für Ruhe Ordnung! 1927
malte er ein Bild mit dem Titel “Die Jungfrau Maria verhaut das Jesus Kind
vor drei Zeugen“.Die Zeugen waren Max Ernst selbst, André Breton, der
Verfasser des surrealistischen Manifests, und der Dichter Paul
Eluard.
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