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Wie sind
Sie zu Ihrem ersten Radiojob gekommen?
Mal:
Mein Vater war Zahnarzt. Ich wußte nicht, was ich mit meinem Leben anfangen
sollte bis auf die Tatsache, daß ich unter gar keinen Umständen Zahnarzt
werden wollte.
"Ich
wußte nicht, was ich mit meinem Leben anfangen sollte bis auf die Tatsache, daß ich kein Zahnarzt werden wollte."
Ich
ging auf die Universität in Oklahoma und hatte mit dem Studium der
Betriebswirtschaft begonnen. Das ist ein Studiengang, der in den Staaten gut
zu bewältigen ist, besonders dann, wenn man nicht weiß, wo man im Leben hin
will.

Mal
Sondock mit seinen Single-Veröffentlichungen.
Ein
Freund machte mich darauf aufmerksam, dass die kleineren Radiostationen in
Oklahoma City für das Wochenende Studenten suchen würden. Er wollte sich für
diesen Job bewerben und fragte, ob ich ihn begleiten würde. Ich wartete im
Flur auf ihn, während er seinen Einstellungstest absolvierte und wurde von
dem Programmdirektor angesprochen, der fragte, wieso ich keinen Test machen
wollte. Er überredete mich und danach bot er mir den Job an. Ich meinte nur,
das könne ich meinem Freund nicht antun. Mein Freund meinte jedoch, ich
solle den Job auf jeden Fall annehmen, weil er ihn selber auf keinen Fall
bekommen würde. Also besser ich als ein anderer.
Was war
der Unterschied zur heutigen Radiolandschaft?
Mal:
Radio war Anfang der 50er vollkommen anders. Das Fernsehen war eigentlich
noch nicht geboren. Hauptsächlich wurden die großen Sender von den Zuhörern
präferiert. Ich meine damit Radiosender wie beispielsweise ABC
oder NBC, die von ihrer Bedeutung
ein Gegenpendant zu den öffentlich-rechtlichen Sendern in Deutschland sind.

Mal
Sondock in den Siebziger Jahren am Studiomischpult.
Diese
Networks waren große Sender mit eigenen Orchestern und eigenen Hörspielabteilungen.
Die kleineren Sender waren nicht sonderlich beliebt. Man konnte sie in fast
jeder beliebigen Stadt für ein paar tausend Dollar kaufen. Sie lebten von
dem Verkauf von Werbezeiten. Ich lernte das Mischpult zu bedienen und
Transformationsröhren auszuwechseln, Letzteres ist in etwa so schwer, wie
das Austauschen von Lichtkörpern im Wohnzimmer.
Oklahoma
liegt im amerikanischen Bibelgürtel. Gab es viele Sendungen mit religiösen
Inhalten?
Mal:
Oh Lord! Davon gab es sehr viele Sendungen. Alle hatten einen gemeinsamen
Nenner. Das war, außer der Liebe zu Gott, die dringende Aufforderung Geld zu
schicken, damit sein Wort auch durch das Radio vernommen werden konnte.
Ein
Prediger war besonders bizarr, ich habe das bis heute nicht vergessen obwohl
das ganze schon mehr als 50 Jahre her ist. Für fünf Dollar konnte man ein
von ihm selbst gesegnetes Tuch erwerben und für 25 Dollar gab es ein Bild
von Jesus, der im Dunkeln glänzt und dessen Augen einen begleiten, ganz egal
was man in diesen Raum tut. Leider habe ich mir das damals nicht gekauft.
Heute hätte ich gerne eines davon. Diese Leute machten eine Menge Geld.

Ein
anderes Studio und andere Farben.
Was
geschah nach den ersten Gehversuchen in diesem Medium?
Mal:
Nach meiner Zeit an der Uni ging ich zu einem Sportsender. Mitte der 50er
Jahre kam es in Amerika zur Radiorevolution. In einer Kleinstadt in Nebraska
mit der Population von 5000 Einwohnern und 250.000 Kühen saßen der
Sendechef des Lokalradios und sein Programm-Mann in einem Cafe. Sie
bemerkten, daß sowohl die Gäste als auch die Angestellten in diesem
Etablissement immer wieder die gleichen Titel in der Musikbox drückten.
"Das
war die Geburt der sogenannten Top-40 Radios."
Daraus
erwuchs die Idee, diese Beobachtung auf das Radio zu übertragen, das heißt,
die 40 populärsten Titel im Radio zu spielen und sie von Discjockeys
anmoderieren zu lassen. Das war die Geburt der so- genannten Top-40-Radios.
Dieser kleine Sender war der erste, dem es gelang, die großen
Sender auf die Plätze zu verweisen. Dieses Konzept wurde von unseren
Sendechef übernommen und so wandelte sich der Sender vom Sportkanal zu den
ersten Top-40 Radiostationen in
eine Großstadt. Innerhalb eines halben Jahres waren wir die Nummer 1 in
Dallas. Daraufhin bekamen alle Angestellten, inklusive unserer Putzfrau, das
Angebot als Programmdirektoren für diverse Radiostationen zu arbeiten.
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